Low-Budget-BGM: Günstige Maßnahmen einfach umsetzen

Gesunde Beschäftigte, gesundes Unternehmen. Doch was, wenn das Budget für betriebliches Gesundheitsmanagement fehlt? Wir erklären, wie Sie mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen ein effektives BGM etablieren und die Gesundheit Ihrer Beschäftigten nachhaltig fördern.
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Große Budgets, viele Abteilungen – noch ist die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) überwiegend in großen Unternehmen zu finden. Die tragende Säule der deutschen Wirtschaft mit rund 58 Prozent sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten – die kleinen und mittleren Unternehmen – nutzt diese Möglichkeiten noch zu selten.1 Sie wissen zwar, dass gesunde Beschäftigte maßgeblich zum Unternehmenserfolg und einer attraktiven Arbeitgebermarke beitragen. Doch es fehlen schlichtweg Geld und Ressourcen für die Umsetzung.2

 

Auch wenn Unternehmen bis zu 600 Euro pro Arbeitnehmer:in steuer- und sozialabgabenfrei investieren können, muss das Budget dafür erstmal vorhanden sein – vor allem in jungen Startups oder KMUs. Gerade dort lässt sich BGM aber kostengünstig und schnell umsetzen. Und: Durch familiäre Verhältnisse und kurze Entscheidungswege sind KMUs gegenüber den Großen sogar im Vorteil.

Der erste Schritt: Ist-Zustand erfassen

Ob Großkonzern, Mittelstand oder kleiner Handwerksbetrieb: Bevor Sie mit der Umsetzung von BGM-Maßnahmen beginnen, ist eine gründliche Analyse der aktuellen Situation unerlässlich. Fragen Sie Ihre Beschäftigten nach ihren Bedürfnissen und Anliegen. Mit welchen Belastungen gehen Sie im Alltag um? Was würde ihnen helfen, ihre Arbeit angenehmer zu gestalten? Und und und. Nutzen Sie anonyme Umfragen – online finden Sie viele kostenlose Tools – oder offene Gespräche, um ein umfassendes Bild der gesundheitlichen Situation im Unternehmen zu erhalten. Auf Basis dieser Erkenntnisse können Sie zugeschnittene Maßnahmen planen. Die müssen auch nicht teuer sein, wie wir im nächsten Abschnitt zeigen.

Low-Budget BGM-Maßnahmen im Überblick

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) muss nicht teuer sein, um wirksam zu sein. Oft sind es die kleinen, unkomplizierten Maßnahmen, die den größten Unterschied im Wohlbefinden der Mitarbeitenden machen.

Bewegung am Arbeitsplatz fördern

Erwachsene ab 18 Jahren sollten sich pro Woche mindestens 150 Minuten mit moderater Intensität bewegen. Darunter fallen auch das Treppensteigen, der Weg zum Drucker oder der Spaziergang durch den Betrieb.3 Mehr Bewegung in den Arbeitsplatz zu integrieren ist eine große Stellschraube für Ihr BGM, die sie mit einfachen Mitteln drehen können. Schon kleine Veränderungen haben große Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Beschäftigten.

 

  • Manchmal reicht es, nur ein paar Dinge umzustellen: Stellen Sie Drucker, Kopierer, Papierkörbe oder die Kaffeemaschine an einen zentralen Ort im Büro. So legen Ihre Beschäftigten zusätzliche Gehminuten im Arbeitsalltag zurück.

 

  • Fördern Sie aktive Pausen mit kurzen Spaziergängen, Dehnübungen oder Fitness-Challenges.

 

  • Meetings können auch draußen abgehalten werden, etwa im nächstgelegenen Park oder Wald. Das sorgt für frische Luft – und frische Ideen.

 

  • Motivieren Sie Ihre Beschäftigten, die Treppe statt des Aufzugs zu benutzen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen, um die tägliche Bewegung zu fördern. Ihr könnt als Team auch innerhalb eurer Stadt oder Gemeinde am Stadtradeln teilnehmen, um Kilometer auf dem Rad zu sammeln!

 

  • Falls es Ihr Budget zulässt, können Sie Firmen- und Lieferwagen durch Dienst- und Lastenräder ersetzen. Auch damit fördern Sie die Bewegung im Betrieb.

Bewegung

Infomaterial: Betriebssport im Betrieb einführen

Online finden sich viele weiterführende Infos rund um das Thema “Bewegung im Betrieb”. Die Handelskammer Hamburg liefert etwa viele Tipps rund um die Bewegungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat ein Vier-Wochen-Bewegungsprogramm für Betriebe erstellt, um Bewegungsmangel mit aktiven Pausen am Arbeitsplatz vorzubeugen – inklusive Arbeitsblättern zum Ausdrucken. Die Leitfäden finden Sie im Download-Bereich unter "Links".
Gesunde Arbeitsplätze gestalten

Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Produktivität. Doch ergonomische Hilfsmittel wie höhenverstellbare Schreibtische, Fußstützen oder Handballenauflagen kosten Geld – besonders wenn man sie in größeren Mengen anschaffen muss. Auch hier muss es nicht immer das High-End-Produkt sein. Höhenverstellbare Schreibtischaufsätze sind mittlerweile eine gute Alternative zum höhenverstellbaren Schreibtisch. Das sind aus Holz gefertigte, zusammenklappbare Aufsätze, die das rückenschonende Arbeiten im Stehen ermöglichen und günstiger in der Anschaffung sind.

Ergonomie

Höhenverstellbare Schreibtischaufsätze sind eine günstige Alternative (Foto: Pexels)
Mehr gesundes Essen im Betrieb

Eine ausgewogene Ernährung spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Beschäftigten. Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz steigert die Konzentration, fördert die Leistungsfähigkeit und beugt ernährungsbedingten Krankheiten vor. Beispiele aus der Praxis zeigen: Wer Geld in gutes Betriebsessen investiert, hat produktivere Beschäftigte. Um eine gesunde Ernährung im Arbeitsalltag kostengünstig zu integrieren, können Sie verschiedene Maßnahmen umsetzen:

 

  • Stellen Sie kostenloses Wasser bereit und ermutigen Sie Ihr Team, ausreichend zu trinken.

 

  • Bieten Sie frisches Obst und Gemüse (wenn finanziell möglich: saisonal) oder Nüsse als gesunde Alternative zu Süßigkeiten und Softdrinks an.

 

  • Verbannen Sie fettes Essen vom Kantinen-Speiseplan, es blockiert den Körper und dämpft die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten.

 

  • Gemeinsame Mittagspausen in entspannter Atmosphäre fördern den Austausch und die soziale Interaktion.

 

  • Organisieren Sie gemeinsame Kochaktionen, um Beschäftigte für eine ausgewogene Ernährung zu begeistern.

Ernährung

Stress & Co.: Psychische Gesundheit schützen

Wo man auch hinschaut: Stress ist in unserer Arbeitswelt weit verbreitet. Rund zwei Drittel der Beschäftigten sagen, dass sie manchmal oder häufig gestresst sind. Jede:r Dritte nennt Überstunden und Termindruck als Hauptgründe. Jede:r Vierte empfindet hohe körperliche Belastungen als Stressfaktor. Viele bemängeln die Pflicht zur ständigen Erreichbarkeit, Schichtarbeit oder die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Stress, Überlastung und Burnout können zu gesundheitlichen Problemen und Leistungseinbußen führen. Um die psychische Gesundheit von Beschäftigten zu fördern und ein positives Arbeitsklima zu schaffen, sind folgende Maßnahmen denkbar:

 

  • Bieten Sie Workshops oder Kurse zum Thema Stressmanagement und Achtsamkeit an, um Beschäftigte bei der Bewältigung von Stress zu unterstützen.

 

  • Ermöglichen Sie flexible Arbeitszeiten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu verbessern und Stressfaktoren zu reduzieren.

 

  • Schaffen Sie eine offene Kommunikationskultur, in der Beschäftigte ihre Anliegen äußern können und sich wertgeschätzt fühlen.

 

  • Richten Sie  Ruhezonen ein, die zum Entspannen und Durchatmen einladen.

Psyche

Was mentale Gesundheit kostet

15.8
Mrd €
Jährliche Produktionsausfallkosten durch psychische Belastung
25
%
empfinden die hohe körperliche Belastung als Stressfaktor.
Gemeinschaft fördern

Ein starkes Teamgefühl und gute soziale Beziehungen am Arbeitsplatz tragen maßgeblich zur Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation bei. Gemeinsame Aktivitäten fördern den Zusammenhalt, stärken die Kommunikation und schaffen ein positives Arbeitsklima. Den  Teamgeist können Sie durch folgende Maßnahmen fördern:

 

  • Organisieren Sie Gesundheitstage mit informativen Vorträgen, interaktiven Workshops und Mitmachaktionen.

 

  • Fördern Sie regelmäßige Teamevents oder Betriebsausflüge, um den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit zu stärken und ein positives Arbeitsklima zu schaffen.

 

  • Gründen Sie gemeinsame Sportgruppen, z.B. Laufgruppen oder Rückenkurse, um die Beschäftigten zu gemeinsamer Bewegung zu motivieren.

Teambuilding

Beschäftigte als Expert:innen: Internes Wissen nutzen

Viele Beschäftigte sind in ihrer Freizeit aktiv. Sie treiben Sport, sind in Vereinen tätig oder beschäftigen sich sogar mit Ernährung, Produktivität oder Entspannung. Durch solche Vorerfahrungen sind sie oft stille Expert:innen für Gesundheitsthemen. Dieses interne Wissen gilt es zu nutzen. Sie könnten zum Beispiel darüber nachdenken, einzelne Beschäftigte für Impulsvorträge zu gewinnen. Sie könnten auch Mitmachaktionen wie aktive Pausen leiten. Dadurch fördern Sie zum einen den Austausch im Betrieb. Zum anderen sparen Sie dadurch Kosten, die durch externe Berater:innen oder Kurse anfallen würden.

Lokale und überregionale Netzwerke nutzen

Mit Ihrem BGM sind Startups, Kleinstbetriebe und KMUs nicht alleine. Sie können sich mit anderen Kleinbetrieben zusammenschließen und das regionale Netzwerk nutzen. Netzwerkarbeit bietet zahlreiche Vorteile: Unternehmen profitieren vom gemeinsamen Wissenstransfer, teilen Best Practices und steigern so die Effizienz ihrer Maßnahmen. Durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen werden Kosten gesenkt und hochwertige Angebote leichter zugänglich. Davon profitieren alle, die am BGM-Prozess beteiligt sind. Hier findest du einen Überblick über BGM-Netzwerke.

Externe Unterstützungsangebote nutzen

Unterstützung können sich Unternehmen auch extern holen. Sie können auf ein breites Spektrum an Gesundheitsressourcen zugreifen, ohne ihr Budget zu sprengen. Sportvereine oder Volkshochschule bieten oft kostenlose oder günstige Kurse an, die Sie als Betrieb buchen können. Ein wichtiger Partner für BGM sind die Krankenkassen. Nach § 20b SGB V fördern sie mit BGF-Leistungen den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen. Sie bezuschussen etwa zertifizierte Kurse, die Sie im Betrieb anbieten. Details erhalten Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse. Kostenlose Beratung können Betriebe zudem bei der BGF-Koordinierungsstelle anfragen.

Fazit: BGM geht auch günstig

Ein effektives BGM muss nicht teuer sein. Mit Kreativität, Engagement und der Beteiligung der Beschäftigten lassen sich auch mit geringem Budget zahlreiche Maßnahmen umsetzen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Belegschaft nachhaltig fördern. Denken Sie immer daran. Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von BGM-Maßnahmen: Leben Sie selbst einen gesunden Lebensstil vor und motivieren Sie Ihre Beschäftigten, mitzumachen.

Weiterführende Infos

1
BMG: Betriebliche Gesundheitsförderung
2
iga (2011): Report 20 – Motive und Hemmnisse für BGM
3
Stiftung Gesundheitswissen: Gesünder leben mit Bewegung